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Exkursionen

Die Teilnehmer der Exkursion im wunderschönen Leiden

Die Europaexkursion 2018 der Erlanger Sinologie führte dieses Jahr nach Amsterdam und Leiden. Zehn Studierende des Instituts durften vier Tage lang verschiedene Ausstellungen, Orte und Institutionen in unserem Nachbarland bestaunen.

Nach einem frühen Start in den ersten Tag ging es für uns ins Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam zu Prof. Dr. Stefan Landsberger und seiner Sammlung von Propagandapostern der VR China. Anhand einer Auswahl

Beim Betrachten der Propaganda-Poster Sammlung

dieser Original-Plakate konnten wir leicht nachvollziehen, mit welchen visuellen Mitteln seit Beginn der Volksrepublik versucht wurde, Werte zu verbreiten und wie sie sich im Laufe der Zeit änderten.

Außerdem gab uns der Leiter des Instituts, Marien van der Heijden, einen Einblick in die Geschichte der Einrichtung. Für diese lehrreiche und gleichsam unterhaltsame Erfahrung möchten wir uns herzlich bedanken.

Die Gruppe im Siebold Haus

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in den Niederlanden fuhren wir nach Leiden. Ein Besuch des Siebold-Museums und seiner Sammlung japanischer Kuriositäten und Alltäglichkeiten war der erste Programmpunkt. Siebold war einer der ersten Japan-Forscher und reiste als Arzt der niederländischen Marine zwei Mal für längere Zeit in das entlegene Kaiserreich.

Universitätsbibliothek Leiden

Damit wurde er zu einer wichtigen Person im europäisch-asiatischen Austausch.

Nach einer Führung durch die Universitätsbibliothek Leiden mit ihrer herausragenden Ausstattung für Asienstudien, besuchten wir Dr. Florian Schneider, der uns eine lebendige Einführung in das Leidener und niederländische Universitätssystem gab.

Am nächsten Morgen, zurück in der Landeshauptstadt Amsterdam, besichtigten wir das Rijksmuseum. Seine gigantische Sammlung niederländischer Kultur- und Kunstschätze hinterließ einen bleibenden Eindruck. Für uns als Studierende der Sinologie war die Führung durch die asiatische Sammlung besonders interessant. Mit Exponaten aus Indien, Japan und China erhielten wir ein tieferes Verständnis für geistliche und weltliche Belange des östlichen Kulturraums.

Guanyin Buddha im Rijksmuseum

Von Töpferware bis hin zu shivaistischen Plastiken war alles vertreten. Nach ausgiebigem Flanieren durch die Amsterdamer China-Town, erhielten wir eine Unterweisung in Chan-buddhistischer (Geh-)Mediation im He-Hua-Fo-Guang-Shan-Tempel. Danach gaben wir uns den weltlichen Genüssen eines schmackhaften, kantonesischen Essens hin.

Abschließend ermöglichte uns die multimediale Ausstellung des Schifffahrtsmuseums, nachzuvollziehen, welche nautischen Errungenschaften

Die Gruppe im Schifffahrtsmuseum

es den Niederlanden ermöglichten, ein weltweites Handelsnetz aufzubauen, und somit Kontakt zu China und anderen asiatischen Kulturräumen herzustellen. Die Möglichkeit selbst an Bord zweier historischer Schiffe aus unterschiedlichen Jahrhunderten zu gehen, rundete unsere Exkursion und den letzten Tag in Amsterdam ab.

 

Wir möchten uns bei unseren Dozentinnen, Anne Schmiedl und Renée Krusche, für diese schöne Erfahrung bedanken.

Exkursion der Sinologie nach Paris

von Theresa Pfeifer

Vom 15. bis zum 18. Juni fand unter Leitung von Frau Anne Schmiedl und Betreung durch Theresa Pfeifer die Exkursion der Sinologie nach Paris statt. Unter den Teilnehmern waren Studierende verschiedener Semester des BA und MA, wodurch sich eine gute Mischung aus Älteren und Jüngeren ergab. Im Mittelpunkt standen China sowie die Beziehungen Frankreichs zu China. Trotzdem fand die Gruppe auch Zeit, sich einige touristische Attraktionen anzusehen.

Früh am Donnerstagmorgen ging der Flug von Nürnberg nach Paris zum Flughafen Charles de Gaulle. Das erste Ziel der Reise war ein Besuch des Institut National de la Recherche Scientifique (CNRS) an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS). Hier bekamen wir eine Einführung in die dortige Forschungsarbeit sowie Studienmöglichkeiten in Paris. Das typisch französische Mittagessen, welches aus Quiche bestand, wurde uns freundlicherweise von Frau Dr. Vera Dorofeeva-Lichtmann, ehemalig Visiting Fellow am IKGF, empfohlen. Den Nachmittag verbrachten wir dann im Musée Cernuschi, einem Geheimtipp für Asien-Interessierte. Im Rahmen einer Führung wurden wir durch das pompöse Stadthaus geführt und bekamen einen Einblick in japanische, koreanische und vor allem chinesische Kunst. Auf dem Weg zum Hotel besuchten wir schließlich noch die nahegelegene Basilika Sacré-Cœur de Montmartre und ließen bei Crêpe und Galette den Tag ausklingen.

Der zweite Tag begann mit einer spannenden Führung durch das asiatische Viertel in Paris durch Herrn Prof. Dr. Georges Métailié. Nach der Vermittlung einiger historischer Fakten über Paris und die Bewohner des asiatischen Viertels erkundeten wir dieses im Detail. Unter anderem besuchten wir einen großen chinesischen Supermarkt und einen kleinen Tempel am Eingang eines Parkhauses. Abschließend führte uns Prof. Dr. Métailié noch in einen chinesischen Buchladen und genoss mit uns gemeinsam ein Mittagessen bestehend aus vietnamesischer Suppe. Nach dieser durchaus reichlichen Stärkung begann das Nachmittagsprogramm: der Besuch der Bibliothek des Maison de l’Asie. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kleinen Stopp am Eiffelturm, der ausgiebig für Fotos genutzt wurde. Die Bibliothek liegt sehr zentral. Insgesamt gibt es dort etwa 300.000 Werke, die sich mit Südostasien beschäftigen sowie eine enorme Anzahl laufender Zeitschriften. Besonders beeindruckend war das Gebäude selbst – der Lesesaal ist im Theater eines ehemaligen Stadtpalasts untergebracht und besticht durch eine gläserne Decke. Nachdem alle Teilnehmer ausgiebig in den Werken stöbern durften, ging es mit einem Spaziergang über die Champs-Élysées, die am Triumphbogen mündet, zurück zum Hotel.

Am Samstag machten wir uns früh auf, um das Musée National des Arts Asiatiques Guimet zu besuchen. Auch dieses Museum ist mit asiatischer Kunst ausgestattet, allerdings um einiges größer als das Musée Cernuschi. Es besitzt eine der größten asiatischen Kunstsammlungen außerhalb Asiens. Hier bekamen wir eine Führung, welche sich auf die chinesische Sammlung fokussierte. Generell sind im Museum jedoch Gegenstände aus allen asiatischen Ländern vertreten, von Indien bis Japan. Anschließend hatten wir die Möglichkeit, das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Nach dem darauffolgenden Mittagessen in einem portugiesischen Bistro stand uns etwas freie Zeit zur Verfügung, um Paris zu erkunden. Die Meisten nutzten diese, um weitere Sehenswürdigkeiten wie den Invalidendom, den Place de la Concorde, das Centre Georges-Pompidou und Notre Dame zu besuchen. Abschluss des Tages und auch der Exkursion bildete das gemeinsame Abendessen in einem sehr authentischen chinesischen Restaurant, welches uns von Prof. Dr. Métailié empfohlen worden war.

Die Exkursion war eine tolle Chance, um in die historischen Verbindungen zwischen Frankreich und China einzutauchen. Auch die Einblicke in die Arbeit der dortigen Institute ermöglichte es uns, die Sinologie besser zu verstehen. Wir danken Frau Schmiedl an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Planung und Organisation dieser tollen Exkursion!

Studierenden Exkursion der Sinologie nach China

Vom 26.3. bis zum 8.4.2017 fand erneut eine Exkursion der Sinologie der FAU nach China statt. Dieses Mal waren Qingdao, Peking und Chengde die Ziele der Reise, an der zehn Studierende verschiedenster Semester teilnahmen. Das Thema der Exkursion und des dazugehörigen Kurses lautete: „Kulturaustausch und Wissenstransfer in der Qing-Dynastie (1644-1911)“, wozu jeder Teilnehmer im Umfang eines Workshops an der BFSU in Peking einen Vortrag halten sollte. Es sollten besonders die Orte besucht werden, an denen ein Aufeinandertreffen der Qing mit anderen Kulturen sichtbar wurde. Vor allem Qingdao war hier von besonderem Interesse, denn auf Grund seiner historischen Verstrickung in die deutsche Kolonialgeschichte eignete es sich gut um sowohl den Kultur- als auch den Wissensaustausch während der Jahrhundertwende vor Ort zu untersuchen. Neben dem Besuch verschiedener ehemaliger deutscher Kolonialstätten in Qingdao, bei denen die Teilnehmer von chinesischen Studierenden begleitet wurden, gab es zusätzlich einen Sprachaustausch mit der Deutschabteilung der Qingdao Ocean Universität, bei dem sich die Exkursionsteilnehmer mit Deutschstudierenden der Gastuniversität trafen. Diese enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern wurde in Peking an der BFSU fortgesetzt, an der Prof. Li Xuetao die Teilnehmer für ihre Vorträge begrüßte und ihnen so die Möglichkeit gab einen Vortrag auf internationaler Eben zu halten und mit Doktoranden des Instituts für Globalgeschichte (https://globalhistory.bfsu.edu.cn/index.htm?opType=view&ID=179) zu diskutieren. Zum Abschluss der Besichtigungen konnten sich die Studierenden noch ein anderes Bild von China in Chengde machen, wo nun nach den europäischen Einflüssen auch die zentralasiatischen Berührungspunkte des imperialen China im Zusammenhang mit den Tempelanlagen ausgemacht werden konnten. Abgesehen von diesem akademischen anregenden Austausch konnten die Teilnehmer das alltägliche Leben in China und seine Besonderheiten durch viele Ausflüge hautnah erleben und sich selber ausprobieren. Von Besuchen von Buchläden, Menschenmassen an Feiertagen, Tempeln und Palästen bis hin zu kulinarischen Genüssen wie Pekingente und buddhistischer Küche ließ das Programm kaum Wünsche offen und bot eine große Bandbreite an Unternehmungen. Auch dieses Mal wurde die Studienreise durch das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen (www.kongzi.de), das Bayerische Hochschulzentrum für China (www.baychina.org) und das Dekanat der Philosophischen Fakultät der FAU finanziell gefördert. Ein ausführlicher Bericht über die Exkursion folgt in Kürze.

von Quynh Mai Nguyen

Insgesamt sind neun Studierende vom 26.05. bis zum 28.05. im Rahmen einer Exkursion unter dem Thema „Chinoiserie“ nach Dresden gefahren. Passend zum Kurs in Erlangen gab es einen Parallelkurs der Technischen Universität Dresden, welcher von Frau Dr. Birgit Häse angeboten wird. Somit konnte eine gemeinsame Exkursion geplant werden.

Nach der langen Zugfahrt hat uns Professor Carsten Storm ins Hostel gebracht. Danach gab es eine kleine Stadttour, in der Professor Storm uns nicht nur die chinoisen Themen, sondern auch die Sehenswürdigkeiten Dresdens nahegebracht hat. Unsere erste „chinoise“ Besichtigung war das Japanische Palais. Obwohl wir dieses nur von außen betrachtet haben, konnten wir viele Elemente aus dem Unterricht wiedererkennen. Da das Japanische Palais zu einem naturhistorischen Museum umfunktioniert wurde, war es nur möglich den Innenhof des Palais zu sehen.
Dieses Palais wurde früher genutzt um die Sammlung von chinesischem und japanischem Porzellan zu präsentieren. Es gehörte August dem Starken, der gegen 1715, inspiriert vom Sonnenkönig Ludwig XIV und seinem Porzellanschloss im Park von Versailles, dieses besondere Konzept entwickelt hatte. Es war also schon immer eine Art „Museum“.

Nach der kleinen Führung von Professor Storm ging es zum ersten Zusammentreffen mit der vierköpfigen Dresdner Gruppe in einem alten Anwesen in Dresden. Die Obergärtnerin hat uns herzlich empfangen und mit uns einen kleinen Spaziergang im wunderschönen Garten gemacht. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde gab es auch schon selbst gemachtes Curry. Nachdem alle satt waren, zögerte sich das nette Beisammensein bis in die Nacht.

 

 

Auf den ersten ereignisreichen Tag, folgte ein vielversprechendes Programm für die Erlanger Studenten. Um eine bessere Atmosphäre zwischen den Dresdner und Erlanger Studenten zu schaffen, wurden diese gemischt und aufgeteilt. Die eine Gruppe wurde von Professor Carsten Storm betreut und die andere schloss sich Frau Dr. Birgit Häse an. Treffpunkt für diesen Tag war der Dresdner Zwinger. Dort startete die erste Gruppe mit der Besichtigung des Porzellanmuseums, während die zweite Gruppe das Depot des Museums genauer unter die Lupe genommen hat. Im Museum selbst haben wir Porzellanvasen, Teekannen, Teller, und vieles mehr angeschaut. Einzelne Kunstwerke aus dem ostasiatischen Raum kann man in der Meißner Porzellansammlung wiedererkennen. Man muss hinzufügen, dass die ostasiatischen Stücke als Vorbild für die deutsche Porzellanherstellung dienten. Bei der Führung im Depot haben wir erstaunlicherweise erfahren, dass die ausgestellten Kostbarkeiten im Museum nur etwa ein Zehntel der gesamten Sammlung ausmachen. Dort hatten wir das unglaubliche Privileg, Originale, sowohl aus der Meißner als auch aus der ostasiatischen Porzellansammlung, anzufassen. Es gab jeweils immer eines aus dem ostasiatischen Raum und zum Vergleich noch ein Gegenstück aus der Meißner Sammlung, die wir intensiv angeschaut und danach auch selber in die Hand genommen haben. Uns wurde dazu erklärt, wie man die Stücke am besten auseinanderhalten kann. Zum Schluss durften wir auch noch einen kleinen Einblick in das Inventarbuch von August dem Starken gewinnen. Dort ließ er alle Porzellanstücke mit Nummer notieren, damit diese nicht verloren gehen konnten.

Daraufhin hieß es „Tea-Time“. Bei Frau Häse durften wir zur Erholung köstlichen chinesischen Tee kosten. Obendrauf gab es noch einen kleinen Crash-Kurs zur fernöstlichen Kunst des Teebrühens. Man muss zum Beispiel beim Aufbrühen je nach Tee Sorte genauestens auf die Temperatur des Wassers achten und vor dem Aufgießen die Teekanne mit heißem Wasser überschütten, um eine gewisse Temperatur der Kanne zu erreichen. Nach der interessanten Erfrischung, ging es gleich weiter mit der nächsten Station, das Kupferstichkabinett.
Als wir dort angekommen sind, wurden wir herzlich begrüßt und haben eine exklusive Führung bekommen. Wir konnten verschiedene Kupferstiche und auch Malereien anschauen. Auch hier gab es Vergleiche zwischen denen der ostasiatischen Originale und der europäischen Nachbildung. Aus den Kunstwerken konnte man eine deutliche Vermischung der beiden Kulturen erkennen. Die Kunstform wurde zwar von Europäern kopiert, aber auch neu aufgegriffen und neu interpretiert. Dieser Vermischung sind wir auch bereits in der Prozellansammlung begegnet. Nach dem langen Tag hatten wir noch ein wenig Zeit für uns selbst, um die Stadt anzuschauen.

 

Am letzten Tag führte uns die Exkursion zum Schloss Pillnitz. Man kann dort nur durch das Überqueren der Elbe mit einer Fähre, auf die andere Seite gelangen. Dort befindet sich das prachtvolle Schloss, welches leider nicht mehr zu Lebzeiten von August dem Starken fertig geworden ist. Es besteht aus drei Gebäudeteilen, dem Wasserpalais, dem gegenüberliegenden Bergpalais und dem Neuem Palais. Die bemerkenswerte Architektur des Schlosses macht es so besonders. Die Gebäude zeigen sowohl barocke Elemente, als auch ostasiatische und orientalische. Eine der berühmtesten Chinoiserien ist die Darstellung einer chinesischen Figurengruppe an der Fassade des Bergpalais. Auch die tempelartigen Dächer des Schlosses waren zu der damaligen Zeit sehr besonders. In der Mitte, umschlossen von den Gebäuden befindet sich der Lustgarten. Das Schloss hat auch noch einen eigenen Schlosspark, wo sich der chinesische Pavillon befindet, den wir uns auch noch genauer unter die Lupe genommen haben. Das Besondere im chinesischen Pavillon sind die Wandflächen mit acht chinesischen Landschaftsbildern.
Leider endete hier bereits unsere Reise.

Geschrieben von: Raphael Dohardt, Kristina Gasynets, Wen-Feng Qian, Sabrina Rosenzweig, Krystyna Tyzhai, Marc Wiede, Inken Wöhrmann

Vom 29.11. bis zum 01.12.2015 fand die Exkursion der Erlanger Sinologie nach Berlin statt. Es fuhren insgesamt sieben Studierende verschiedener Jahrgänge unter Betreuung von Professor Esther-Maria Guggenmos und Anne Schmiedl in die deutsche Hauptstadt.

Nach der Anreise am Samstagabend trafen wir uns am Sonntagmorgen alle um halb 9 im Frühstückssaal des Hostels. Wir hatten einen langen und kulinarischen Tag vor uns – wirklich jeder freute sich auf das gemeinsame Abendessen beim Chinesen.

Die erste Anlaufstelle der Exkursion waren die Museen Dahlem, die das Museum für Asiatische Kunst beherbergen. Geführt wurden wir von einer Indologin, die es auf großartige Weise verstand, uns in die buddhistische Religion einzuführen. Doch damit nicht genug: Anhand der im 20. Jahrhundert entdeckten Turfanfragmente machte sie den gewaltigen Einfluss dieser Religion über den asiatischen Raum deutlich, und im Gegenzug schließlich, wie später dann der entwickelte Buddhismus des asiatischen Raumes nach Indien zurückwirkte. All das konnte sie durch Geschichten der Schriftstücke und Wandmalereien Turfans anschaulich und greifbar darlegen.

Durch die Fundstücke aus Turfan ist es möglich, Kunst und Kultur Asiens ganz neu zu betrachten; es fallen viele Verbindungen auf, die vorher nie bemerkt worden waren, aber nun offensichtlich erscheinen. Nach der Führung hatten wir noch etwas Zeit uns den Rest der Ausstellung und den Markt genauer anzusehen.

Danach fuhren wir zusammen zum Kurfürstendamm zu einem Weihnachtsmarkt, wo sich unsere Wege dann erst einmal zur freien Verfügung trennten, bis wir uns um 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen am chinesischen Restaurant „Tianfu“ treffen sollten. Etwas durchnässt aber glücklich schlemmten wir uns durch einen Gutteil der Speisekarte und neu gebrachte Teller waren schnell ratzeputz leer.

 

Am Montag begaben wir uns zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, um dort einen Einblick in die Arbeit der Turfan-Forschungsstelle zu erhalten. Dort empfing uns herzlich ein Team aus zwei Turkulogen, einem Iranisten sowie Editions-, und Digitalisierungsexperten, die uns an Hand ausgewählter Manuskripte einen praxisnahen Einblick in die philologische und restaurierende Arbeit an den schriftlichen Erzeugnissen des Tarimbeckens zeigten.

Diese damals unter uighurischer Herrschaft stehende Region war Heimat einer Vielzahl an Sprachen und Religionen und somit eine Kulturkontaktzone von höchster Bedeutung und Strahlkraft. Neben dem Buddhismus, der hier in einer chinesisch-tibetischen Reimportvariante florierte, waren auch das Christentum und der Manichäismus vertreten. Da wir den Manichäismus hauptsächlich aus christlich-muslimischen Schmähschriften kennen, stellen die in Turfan gefundenen Primärtexte einen wertvollen Zugewinn für die Religionswissenschaft dar. Aber auch aus einer philologischen Perspektive sind die gefundenen Texte höchst interessant, da sie als Werke intensiver Übersetzungsarbeit zahlreiche Sprachkontaktphänomene wie Entlehnungen, Übernahme anderer Schriftsysteme, Glossen, Kommentar usw. zeigen.

Nach einer Stärkung aus gebratenen Nudeln und Frühlingsrolle ging es dann zu Fuß weiter vom Alexanderplatz zur Humboldt-Universität, die unter den Linden zu finden ist. Die Universität mit Klassisch-Chinesischer Ausrichtung beeindruckte schon von außen durch ihren Baustil und die imposante Größe. Auch von innen konnte die HU sich gut sehen lassen. Da wir uns bereits in unmittelbarer Nähe befanden, war ein kurzer Abstecher beim Brandenburger Tor ein absolutes Muss, vor allem für die Kommilitonen, die zum ersten Mal in Berlin waren. In der vorweihnachtlichen Atmosphäre, mit Weihnachtsbaum und Lichterschmuck, war das Tor ein toller Hingucker.

Nach ein paar Gruppenfotos vor dem Brandenburger Tor machten wir uns mit der Straßenbahn auf zum Gegenstück der HU – zur Freien Universität Berlin, der FU, die ihre Ausrichtung auf das Moderne China legt. Die FU Berlin überraschte durch ihren komplexen und neuartigen Baustil, wie z.B. einer Art „Hängetreppe“, die die Studenten ins nächst höhere Stockwerk führte. Eine solche Universität hatten wir noch nicht gesehen!

Am Abend stand ein weiteres Programm-Highlight unserer Exkursion an. Wir besuchten das Konfuzius-Institut in Berlin. Nach einem herzlichen Empfang wurden wir dort mit dem Leben und Wirken von Walter Liebenthal vertraut gemacht. Walter Liebenthal (1886-1982) war ein berühmter deutscher Sinologe, dessen Sohn auch schon persönlich am Konfuzius-Institut war.

Zu seinem Werdegang: Nachdem Liebenthal auf Grund einer Kriegsverletzung seine vorherige Tätigkeit als Bildhauer nicht mehr ausführen konnte, fand er ernsthaftes Interesse am Buddhismus. Schließlich studierte er dann auch Indologie und lebte in Peking (1934-1937). Nach dieser Zeit begab er sich ins Exil nach Changsha und Yunnan auf der Flucht vor japanischen Truppen im Krieg (1937-1946).

Er beschäftigte sich mit der Ausprägung des Buddhismus in China und mit dessen Verbindung zum Daoismus. Ab 1952 arbeitete er an der Visva-Bharati Universität in Indien, verfolgte aber trotzdem weiterhin einen regen Austausch mit seinen chinesischen Kollegen und Sanskritstudenten. 1958, nach dem Tod seiner Frau, beschloss Liebenthal, Indien zu verlassen. Danach suchte er nach einer neuen festen Forschungsheimat, bis er schließlich 1965 Honorarprofessor in Tübingen wurde. Im Alter von 96 Jahren verstarb Walter Liebenthal.

Am letzten Tag unserer Exkursion waren wir in der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Dort gab uns eine der Mitarbeiterinnen eine Einführung in die Services der Bibliothek, sowie in die Recherche in Katalogen und Datenbanken.

Die Staatsbibliothek wurde im Jahr 1661 gegründet. Leider ging während des Krieges viel verloren. Ein Drittel der Bestände kam zurück, zwei Drittel befinden sich mittlerweile in Krakau und Russland. Heute besteht die ostasiatische Sammlung aus 750.000 Bänden, die jährlich um 25.000 Bände wächst.

Große Bedeutung für unser Studium hat CrossAsia (diese Online-Datenbank gibt es seit dem Jahr 2006), welches mehr als 90 Millionen bibliographische Daten umfasst.

In der Präsentation lernten wir, wie man in Online-Datenbanken (Zeitschriftendatenbanken, StaBiKat und Ostasien-OPAC) verschiedene Werke findet. In der Staatsbibliothek besteht zudem die Möglichkeit, nicht vorhandene Werke online zu bestellen (auch aus dem Ausland).

 

Zudem konnten wir einige Fragmente mit chinesischen Schriftzeichen aus dem Turfangebiet betrachten. Nach der Präsentation bekamen wir außerdem eine Führung durch die verschiedenen Abteilungen der Bibliothek. Nach dem Besuch der Staatsbibliothek aßen wir gemeinsam zu Mittag, bevor wir am Abend schließlich wieder zurück nach Erlangen fuhren.

Vom 19. bis zum 27.03.2015 fand die dritte Exkursion der Erlanger Sinologie nach China statt. Nachdem bei den letzten beiden Studienreisen Peking und Qufu die Ziele der langen Reise waren, fuhren in diesem Jahr 10 Studierende verschiedener Jahrgänge unter Betreuung von Professor Marc A. Matten und Renée Gringmuth nach Xi’an in Zentralchina.

Die Exkursion stand unter dem Thema „Gedächtniskultur und -architektur in China.“ Aufgabe der Studierenden war es, die identitätsstiftende Funktion von alten und neuen Monumenten — von den Terracotta-Kriegern bis hin zum neuen Geschichtsmuseum der Provinz Shaanxi — zu untersuchen und zu klären, in welchem Spannungsverhältnis hier Politik, Geschichte und Kultur stehen. Von besonderer Bedeutung war die Frage nach der Authentizität der Monumente, ihrer politischen Konstruiertheit sowie ihrer Verortung im zeitgenössischen kulturellen Gedächtnis nach Ende der maoistischen Ära.

Als Vorbereitung auf die Exkursion belegten die Teilnehmer ein Tutorium, das sie auf den Aufenthalt und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema vorbereitete. In Xi’an folgte dann die Besichtigung von Museen und archäologischen Stätten, wie etwa einem Kaisergrab der Westlichen Han-Dynastie (202-16 v.Chr.), einer tangzeitlichen Palastruine, der berühmten Terrakotta-Armee oder einer Gedenkstätte der chinesischen Volksbefreiungsarmee.

Ergänzend zu diesem forschungsorientierten Programm fand an zwei Nachmittagen ein Austausch mit Studierenden der North-West-University (http://www.nwu.edu.cn) statt, dessen College of International Cultural Exchange ursprünglich nach Xi’an eingeladen hatte. Im Vordergrund stand der Sprach- und Kulturaustausch mit chinesischen Kommilitonen.

Die Exkursion gab den Studierenden der unteren Semester einen ersten Einblick in Land und Kultur (als Vorbereitung und Motivation für den zweisemestrigen Studienaufenthalt im kommenden Studienjahr), und den älteren Semestern die Chance, neue Seiten des großen Landes zu entdecken und ihre sprachlichen Fähigkeiten einzusetzen und zu verbessern.

 

Auch dieses Mal wurde die Studienreise durch das Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen (www.kongzi.de), das Bayerische Hochschulzentrum für China (www.baychina.org) und das Dekanat der Philosophischen Fakultät der FAU finanziell gefördert.

Einen Bericht finden Sie auch auf der Seite des Hanban

 

Forschungsberichte der Studierenden

Raphael Dohardt und Theresa Pfeifer:

Das Shaanxi History Museum 陕西历史博物馆

Das Museum wurde am 20. Juni 1991 eröffnet und ist das zweitgrößte Museum Chinas. In Chinas Tourismusbewertung, die von der „China National Tourism Administration“ 中华人民共和国国家旅游局 erstellt wird, erreicht das Museum eine Bewertung 4A auf einer Skala von 1A bis 5A.

Marina Saal und Laura Maas:

Das Han Yangling 汉阳陵

Das Han Yangling ist ein dem vierten Kaiser der Han-Dynastie, Han Jingdi 汉景帝, gewidmetes Mausoleum, das in der damals üblichen Art als Hügelgrab erbaut wurde.

Reinhold Erdt und Michael Gritzbach:

Die Terrakotta-Armee 兵马俑

Am 29. März 1974 wurde die Armee bei Brunnenbohrungsarbeiten chinesischer Bauern durch Zufall entdeckt. Nach Testbohrungen und weiteren Forschungen wurde das Areal bei Lintong (临潼区) in der Nähe von Xi`an (西安市), Shaanxi (山西) gesperrt und ein Museum über der Armee errichtet.

 Johanna Bachmann und Pierre Habranke:

Der Daming Palast 大明宫

Der Daming Palast war zu Zeiten der Tang-Dynastie Sitz des chinesischen Kaisers. Er wurde ursprünglich unter Kaiser Taizong (唐太宗) als Yong’an Palast (永安宫) erbaut.

Maria Hensolt und Luisa Wilhelm:

Das Eight Route Army Xian Office 八路军西安办事

Das Eighth Route Army Xian Office (Balujun Xian banshichu 八路军西安办事处) trägt auch die Bezeichnung Eighth Route Army  Office in Shaanxi (Balujun zhu Shaan banshichu 八路军驻陕办事处), da es eines von vielen in China verbreiteten Büros der Eighth Route Army (Balujun 八路军) darstellt und den Sitz in der Provinz Shaanxi hatte.

von Lydia Schulz

Warum fahren Sinologen auf eine Exkursion nach Rom? Diese Frage mussten nicht nur wir Teilnehmer häufig beantworten, sondern auch Herr Statu, der die akademische und organisatorische Leitung der Reise übernahm. Er antwortete darauf mit ausführlicher Lektüre zu den Tätigkeiten der Jesuiten in China ab dem 16. Jahrhundert sowie Texten über die Entstehung und Entwicklung der Sinologie in Europa und speziell in Italien.

Neugierig folgten wir, eine Gruppe aus sieben Bachelor- und Masterstudierenden, zunächst der Einladung der Jesuitenmission in Nürnberg zu einem Gespräch, in dem wir viel über die Anfänge des Ordens, aber auch über die aktuelle Situation hörten. So verstehen sich die Jesuiten als „Gefährten Jesu“ und leben ihre Freundschaft zu Jesus Christus in ihrer weltweiten sozialen und pastoralen Arbeit. Als die ersten Jesuiten im späten 16. Jahrhundert nach China kamen, erkannten sie schnell, dass sie sich an diese so andersartige Kultur und Gesellschaft anpassen mussten, bevor sie sich der Verkündigung der christlichen Botschaft widmen konnten. So kam es, dass die Jesuiten zu den ersten Europäern zählen, die die chinesische Sprache und Schrift erlernten und Übersetzungen anfertigten. Auch brachten die stark intellektuell ausgerichteten Jesuiten europäische Erkenntnisse der Mathematik, Philosophie und Geographie nach China und drangen damit bis an den Kaiserhof vor. Sie traten nicht als Geistliche, sondern als Gelehrte auf, da diese im Ming-zeitlichen China besser angesehen waren. Als es durch den Ritenstreit mit dem Vatikan und anderen Orden zu Spannungen über die Beibehaltung alter Riten wie der konfuzianischen Ahnenverehrung der zum Christentum Konvertierten kam, beendete Papst Benedikt XIV. 1742/44 die jesuitische China-Mission mit einem endgültigen Verbot. Heute beschränkt sich die Tätigkeit der Jesuiten in China auf den pastoralen Dienst in einzelnen Kirchen.

Als uns am 26. Mai Rom schließlich bei strahlendem Sonnenschein in Empfang nahm, vergaßen wir die Strapazen des frühen Aufstehens, des turbulenten Fluges und des Umsteigens schnell und machten uns auf Rom zu erkunden. Der erste Abend führte uns bereits durch die halbe Stadt von der Piazza della Repubblica vorbei am Trevi-Brunnen und Pantheon zur besten Pizzeria Roms.
Der nächste Tag verschaffte uns mit einem Besuch der Jesuitenkirchen Il Gesù und Sant‘Ignazio einen tieferen Einblick in den Orden der Jesuiten. Gebaut in den Jahren 1568-1575 bzw. 1626-1685 sind diese Kirchen ein Zeugnis barocker Baukunst und beeindrucken durch die herausragenden perspektivischen Fresken. Sant’Ignazio ist benannt nach dem Gründer der Gesellschaft Jesu, der 1622 heilig gesprochen wurde und dessen Gebeine in Il Gesù zu sehen sind.

Anschließend erhielten wir in der Biblioteca Gregoriana eine Einführung in die Bibliothek, die 1551 von St. Ignazius gegründet wurde und bekannt für ihre Sammlung von Büchern der Theologie, Philosophie, Kultur und Literatur ist.

Am Mittwoch waren wir in das Institut für Sinologie der Universität Sapienza sowie das dazugehörige Konfuzius-Institut eingeladen. Als größte Universität Europas mit über 140.000 Studenten hat auch der Lehrstuhl der Sinologie ein sehr umfangreiches Angebot. In der Bibliothek entdeckten wir nicht nur alle Standardwerke der Sinologie, die wir auch aus unserer Bibliothek kennen, sondern auch deutsche Bücher sowie Veröffentlichungen unserer Professoren.

Donnerstagmorgens folgte der Höhepunkt der Exkursion: Wir bekamen in der Nationalbibliothek nach einigem Suchen der Bibliothekare das Ben Cao von 1505 zu sehen. Das „Buch heilender Kräuter“ ist das bekannteste historische Buch über chinesische Kräuter und Arzneidrogen und enthält neben Beschreibungen des Aussehens, der Wirkung und Anwendungsweisen auch Illustrationen.

Das Museum für orientalische Kunst erwies sich als echtes Juwel. Obwohl die Ausstellung mit ihren Exponaten aus Persien, Nepal und Tibet überschaubar ist, finden sich darunter einige Besonderheiten, auf wir in einer höchst interessanten Führung aufmerksam gemacht wurden. Die Ausgrabungen und Sammlungen von Giuseppe Tucci bilden eine der größten Sammlungen tibetanischer Kunst im Ausland.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch der Bibliotheca Hertziana in der das Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte untergebracht ist. In einer Führung erfuhren wir mehr über die Geschichte des Hauses, das aus der Stiftung der Kölnerin Henriette Hertz hervorgegangen ist um durch gesellschaftliche Zusammenkünfte Musik, Kunst und Literatur zu fördern. Mit dem Blick von der Dachterrasse auf Rom verabschiedeten wir uns und machten uns auf die Heimreise.

Leider schafften wir es trotz zahlreicher Bemühungen nicht in die Vatikanische Apostolische Bibliothek zu kommen, um dort die Briefe und Aufzeichnungen der Jesuiten aus China zu sehen.
Wieder zurück im kühlen Erlangen erinnern wir uns gerne an die Gastfreundlichkeit mit der wir empfangen wurden und sind uns sicher, dass es nicht unser letzter Besuch in der ewigen Stadt war.

 

von Alexander Moldovan, Claudia Nestmeyer und Stefan Sültz

Dank eines intensiven Seminars bei Jana Cyrol waren wir mit dem erforderlichen Hintergrundwissen über Konfuzius und das kulturelle Gedächtnis Chinas bestens für unsere Exkursion vorbereitet, als wir uns am 02.04. auf die langersehnte Reise von Erlangen nach China machten.

Erschöpft vom zehnstündigen Flug kam unsere Gruppe, bestehend aus zehn  Studierenden verschiedener Semester unter der akademischen Leitung von Dr. Michael Schimmelpfennig und Renée Gringmuth, endlich in Beijing an. Sofort ging die Reise weiter, mit einer abenteuerlichen Taxifahrt vom Flughafen zum Bahnhof, wo bereits die erste Überraschung auf uns lauerte: Von dort sollte uns unsere Fahrt direkt nach Qufu, der Geburtsstadt des Konfuzius, führen, doch da anlässlich des Qingming-Festes ganz China auf den Beinen und jeder Zug ausgebucht war, konnten wir erst für den Nachmittag des nächsten Tages Zugtickets ergattern.

Die ungeplante Übernachtung in Beijing ermöglichte uns dann aber erste Eindrücke vom Trubel auf dem Tiananmen-Platz zu gewinnen. Da wir als Ausländer offenbar eine große Attraktion darstellten, wurden wir auch sogleich zu begehrten Fotomotiven. Mit einem leckeren chinesischen Abendessen ließen wir den Tag ausklingen.

Am nächsten Tag ging es schließlich doch noch sehr komfortabel mit dem chinesischen Hochgeschwindigkeitszug nach Qufu weiter. Untergebracht waren wir dort in dem luxuriösen Hotel des Confucius Research Institutes. Eindrucksvolle Höhepunkte während unserer Zeit in Qufu waren unter anderem der Konfuzius-Tempel mit seinen sehr touristisch anmutenden, bunten Inszenierungen von Tänzen und Opferriten wie auch der Konfuzius-Wald, in dem Konfuzius und seine Nachfahren bestattet sind. An diesen Orten konnten wir uns ein Bild davon machen, wie das Leben und Werk des Konfuzius im kulturellen Gedächtnis Chinas verankert sind und auf welche Weise sie den zahlreichen Besuchern der Gedenkorte präsentiert werden.

Auch der Sprachaustausch mit chinesischen Studierenden der pädagogischen Universität Qufu war eine interessante Erfahrung und bot uns einen Einblick in das chinesische Studentenleben. Ein besonderes kulinarisches Erlebnis, welches jedem in tiefer Erinnerung blieb, war der Besuch eines rustikalen Restaurants auf dem Lande in der Nähe von Zou, der Heimat des Menzius. Zu den Spezialitäten des Hauses zählten geschmorte Schweinefüße, Hähncheneintopf inklusive Kopf – das Auge isst schließlich mit – und Erdbeeren. Zum Abschluss unseres Programms in Qufu hielt Herr Dr. Schimmelpfennig im Confucius Research Institute einen interessanten Vortrag über den aktuellen Stand der westlichen Forschung zu Konfuzius und des Lunyu.

Zurück in Beijing standen unter anderem Besuche des dortigen Konfuzius-Tempels und der Verbotenen Stadt auf dem Programm. Neben der riesigen Palastanlage, die allein schon sehr beeindruckend war, war auch das Uhrenmuseum einen Besuch wert. Ein weiteres Highlight stellte die „798“-Kunstausstellung dar, die in den Hallen einer ehemaligen Fabrik modernen chinesischen Künstlern eine Plattform zum kreativen und freien Ausdruck abseits des Mainstreams bietet. Abends beim Hot-Pot- oder Jiaozi-Essen konnten wir uns dann von den kilometerlangen Fußmärschen wieder erholen und neue Kraft für den nächsten Tag sammeln. Auch für den Shoppingspaß war mit Abstechern auf die Wangfujing, eine große Einkaufsstraße in Beijing, und zum Seidenmarkt gesorgt. Hier schulten wir beim Erwerb von Souvenirs unsere Fähigkeiten im Feilschen. Zum krönenden Abschluss erfreuten wir uns am letzten Abend an einer atemberaubenden Akrobatikshow mit fesselnden Darbietungen von absoluter Körperbeherrschung und spektakulären Stunts.

Nach der erfolgreichen Exkursion zum Thema “Konfuzianische Gedächtnisarchitektur in der Provinz Shandong” 2012 bot der Lehrstuhl für Sinologie allen interessierten Studierenden erneut die Möglichkeit einer Studienreise in die Volksrepublik China. Derzeit befinden sich zehn Studierende unter der Leitung von Dr. Michael Schimmelpfennig und Begleitung von Frau Gringmuth vom 02. 04.-12.04.2013 im Reich der Mitte.

Die Exkursion soll den Teilnehmern Gelegenheit bieten, die Theorien Assmanns auf den Konfuzianismus in seiner gegenwärtigen Erscheinung anzuwenden, wobei sich die Betrachtung dieses zentralen Aspektes des „chinesischen kulturellen Gedächtnisses“ auf Texte im weitesten Sinne, also auch Theateraufführungen und Filme, Riten an Festtagen, Denkmäler wie Stelen und Tempel oder ähnlichem beziehen kann. Die Teilnehmner der Exkursion haben im Vorfeld an einem Blockseminar zur Vorbereitung der China Exkursion teilgenommen. Im Verlauf der Exkursion sollen die Studierenden ein Arbeitspapier zu ihrem Thema erstellen.

Ein Ort der Exkursion war wieder das Confucius Research Institute (http://www.confucius.gov.cn) im Zentrum der Stadt Qufu, dem Geburtsort des Konfuzius. Es wurde 2007 eröffnet und dessen Gebäude wie die Halle des Konfuzius, Statuen, Wandinschriften und Stelen sind zentraler Bestandteil einer gelenkten Rückbesinnung auf konfuzianische Werte. Weitere Anlaufstellen der Exkursionsteilnemer in Qufu waren unter anderem der Menziustempel, die Residenz seiner Familie, sowie der Konfuziustempels, als auch die Residenz der Familie Kong und deren Friedhof. Ergänzt wurde das Programm in Qufu durch einen Sprachaustausch mit Studierenden der Qufu Normal University.

Aktuell befindet sich die Gruppe in der Stadt Peking. Dort bietet sich die Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Fragen nach dem kulturellem Gedächtnis, nicht nur in Hinsicht auf den Konfuzianismus. Auf dem Programmplan befinden sich nun noch der Konfuziustempel in Peking, die kaiserliche Akademie, die Verbotene Stadt, ein Gang durch die Hutongs, das Millennium Monument, das Museum der Geschichte Chinas, der Himmelstempel, der Tempel der Weißen Wolken, das Militärmuseum der chinesischen Revolution und die Bücherstadt und Kunstgallerien.

Einen Teil des Programms in Peking hat die Gruppe schon auf ihrer Liste abgehakt, wie z.B. den Besuch des Tiananmen-Platzes, da sie zum Beginn ihrer Reise außerplanmäßig bereits einen Tag in Peking blieben. Grund hierfür war, dass wegen des Qingming-Festes alle Zugkarten nach Qufu bereits ausverkauft waren.

Wir sind gespannt, was die Teilnehmer am Ende ihrer Exkursion alles zu berichten haben.

 

von Maria Hensolt, Jakob Krüger und Julia Sterzel

Der Konfuzianismus – wie alle neuen Ideen brauchte er Zeit, um sich zu etablieren. Dann erstarkte er, geriet wieder in den Hintergrund, schwang sich erneut empor. Ein ewiges hin und her. In der Kulturevolution versuchte man sogar, den gesamten Konfuziusladen zu zerschlagen und glaubte ihn in Trümmern, tot; bzw. man stellte ihn als tot dar. Nur noch die sterblichen Überreste, die Schriften, bewahrte man. Doch so leicht ließ er sich nicht tilgen. Bald kamen Diskussionen über den Konfuzianismus. Man sprach vom konfuzianischen Geist als kulturelle Leitidee Chinas, ja des gesamten asiatischen Raums. Die Rede war auch vom konfuzianischen Kapitalismus. Doch wie lebendig ist Konfuzianismus heute? Wie wird seiner gedacht? Und wie wird er gelebt?

Dies waren auch die Fragen, die sich an die Teilnehmer der Exkursion nach Qufu (曲阜) in der Provinz Shandong (山东) stellten. Besonders wichtig war dabei die Betrachtung der konfuzianischen Gedächtnisorte in dieser Region. Allen voran der Konfuziustempel (Kongmiao 孔庙), die Residenz der Familie Kong (Kongfu 孔府) und der Wald der Familie Kong (Konglin 孔林), welcher die Grabstätte Konfuzius und seiner direkten Nachkommen  ist. Daneben wurde auch konfuzianischen Spuren auf dem Taishan (泰山), einem der heiligsten Berge Chinas nachgegangen. Umrahmt wurden diese Erfahrungen durch den Aufenthalt im ebenfalls in Qufu gelegenen Confucius Research Institute (Kongzi yanjiuyuan 孔子研究院), in dessen hauseigenem Vier-Sterne-Hotel die Exkursionsgruppe Quartier bezog.

Den wissenschaftlichen Rahmen der Exkursion bildeten somit die alltäglichen Eindrücke und das geschichtliche Hintergrundwissen, die sich beim Besuch der oben erwähnten konfuzianischen Orte gewinnen ließen. (Die detaillierten Berichte der Teilnehmer dazu finden sich hier)

Da jedoch aufgrund der zeitlichen Begrenzung und der strengen Tagesordnung der Exkursion nicht viel Raum für intensivere Forschung blieben, konnten viele interessante Fragen nicht oder nur skizzenhaft bearbeitet werden. Vielmehr war nur die Erlangung eines groben Überblicks über die Situation des Konfuzianismus in China möglich. Dieser Überblick genügte jedoch, um essentielle Gegenwartselemente so weit extrahieren zu können, dass folgende Aussagen möglich wurden: Der Konfuzianismus ist in seiner Öffentlichkeitswirkung in China momentan in einer kulturellen und auch politischen Hochphase. Er ist bis zu einem gewissen Grad (wieder) offizieller Staatskult und wird als solcher auch von der Politik hochgehalten. Er wird als Grundbaustein chinesischer Geschichte und chinesischer Identität dargestellt und seine Bedeutung für ein China, das sich auf internationaler Bühne zu beweisen hat, wird mit Nachdruck betont. Allerdings – und hierbei waren die Beobachtungen der Kursteilnehmer in den einschlägigen konfuzianischen Kulturorten Qufus von unschätzbarem Wert – spiegelt sich die öffentliche Darstellung nicht unbedingt im Handeln der Chinesen selber wieder. Ja, die konfuzianischen Denkmalstätten sind gut besucht. Ja, Konfuzius werden rituelle Opfer dargebracht und die konfuziansichen Werte als überaus wertvoll hingestellt. Doch ist auch eine strenge innere Identifikation mit alledem verbunden? Zwar können die gemachten Beobachtungen keine eindeutige Antwort auf eine derart schwer messbare Frage geben, allerdings konnten sich die Exkursionsteilnehmer nicht des Eindruckes erwehren, dass das es bei den chinesischen Besuchern an einer gewissen Andacht fehlte, die auf eine individuelle Identifikation mit dem Konfuzianismus schließen lassen könnte. Es schien vielmehr so, als frönen viele Chinesen stattdessen mehr einen touristischen Muss, bei dem es letztlich nur auf ein Posieren für die Kamera hinauslief.

Natürlich sind dies nur unverifizierte Kurzeindrücke, denen jegliche wissenschaftliche Tiefe fehlt; und doch sind sie ein erster Hinweis, dass moderne konfuziansiche Strömungen nicht so ohne weiteres als tiefsinniges Massenphänomen betrachtet werden können. Man wird also nicht umhin kommen, bei der Analyse des Konfuzianismus auf die Vereinbarkeit politischer Aussagen, sozialem Verhaltens und wirtschaftlicher Elemente mit den klassischen konfuzianischen Werten, sprich mit dem konfuzianischen Kanon einzugehen.
Somit kann man sagen, dass die Exkursion nach Qufu allein schon durch das direkte Deutlichmachen dieser Problemstellungen ein voller Erfolg war.