Dr. Thomas Crone

Glaubt man chinesischen Schriftforschern, so soll das Zeichen wén 文 ursprünglich einen Menschen mit einer Tätowierung auf der Brust zeigen. Ob dies stimmt, sei einmal dahingestellt, denn Tätowierungen waren im antiken China eigentlich etwas, das man mit den eher „unzivilisierten“ Völkern außerhalb Chinas assoziierte. Doch wén selbst hieß nicht nur „Muster“, „Zeichen“, oder „Schrift“, sondern auch so komplexe Dinge wie „Literatur“, „Philosophie“, „Kultur“ und „Kultiviertheit“. Wer wén kannte und wer wén besaß, befand sich also weit abseits jeglicher Barbarei. In meiner Forschung gehe ich den verschiedenen mit wén verwobenen Phänomenen im antiken China zwischen dem 12. Jh. vor und 3. Jh. nach Chr. nach. Mit was für Philosophien und Literaturen beschäftigten sich die Menschen damals? Mit welchen Zeichen und Schriften verfassten sie ihre Texte? Und welche Rolle spielten Texte überhaupt in dieser längst vergangenen Zeit? Ein Sinnen über diese und anderen Fragen eröffnet interessante Perspektiven nicht nur auf die früheste Geschichte eines entstehenden Großreiches, sondern auch auf unseren heutigen Lebensalltag, in dem Texte, Zeichen (und auch Tätowierungen) gar nicht mehr wegzudenken sind.

  • Antike chinesische Geistesgeschichte 
  • Schreiben und Tradieren von Texten im antiken China
  • Historische Semantik des Altchinesischen
  • Vergleiche zwischen der chinesischen und europäischen Antike

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